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Recht / Sonstige 
Montag, 19.06.2017

Kangalfische im Wellness-Studio zur Hornhautentfernung - tierschutzrechtlich erlaubnisfähig

Die Erteilung einer Erlaubnis für die Haltung von Kangalfischen (sog. “Knabberfischen”) in den Fisch-Spa-Becken eines Wellness-Studios zum Zwecke der sanften Hornhautentfernung ist nach dem Tierschutzgesetz nicht grundsätzlich ausgeschlossen. So entschied das Verwaltungsgericht Freiburg (Az. 4 K 1758/16). Vielmehr lasse sich durch entsprechende Auflagen zur Wasserqualität, zur Besatzdichte der – ausgewachsen ca. 5 – 6 cm großen – Fische, zu Rückzugsmöglichkeiten usw. eine artgerechte Haltung der Fische sicherstellen, wie sie für die Erteilung einer Erlaubnis erforderlich sei.

Das Landratsamt hatte die von der Klägerin beantragte Erteilung der Erlaubnis für einen solchen Einsatz mit der Begründung abgelehnt, das Tierschutzgesetz verbiete es, “einem Tier ohne vernünftigen Grund Schmerzen, Leiden oder Schäden zuzufügen”. Bei einer Haltung der Fische zu Zwecken der Hornhautentfernung komme es aber für sie zwangsläufig zu Stresssituationen, da sie die Bewegung der Füße der Spa-Nutzer als eine Dauerbedrohung durch einen potenziellen Fressfeind wahrnähmen. Belastungen der Wasserqualität durch Rückstände von Kosmetika, Seifen und Parfüms sowie Schweiß- und Talgpartikel der Nutzer würden zudem bei den Fischen zu chronischem Stress führen. Die Haltung der Fische zu rein kosmetischen Zwecken stelle auch keinen “vernünftigen Grund” im Sinne des Tierschutzgesetzes dar, weil ihnen ein Schaden durch Stress allein zur Befriedigung eines Luxusbedürfnisses zugefügt werde, das sich durch Einsatz von Bimsstein oder Raspel zur Hornhautentfernung auch leicht ohne Einsatz von Tieren erfüllen lasse. Schließlich widerspreche die Nutzung der Fische als “lebendige Hautreiniger” dem im Grundgesetz verfassungsrechtlich verankerten Gedanken der Mitgeschöpflichkeit.

Das Gericht gab jedoch der Klage der Inhaberin des Wellness-Studios statt und verpflichtete das Landratsamt als Tierschutzbehörde, über ihren Antrag auf Erteilung der tierschutzrechtlichen Erlaubnis erneut zu entscheiden. Das Gericht vertrat seine Auffassung nach Auseinandersetzung mit zahlreichen, ihm vorliegenden Gutachten und fachkundigen Stellungnahmen von Fischbiologen, aus denen sich ergab, dass sich eine artgerechte Haltung der Fische sicherstellen lasse. Die Wasserqualität könne durch Auflagen zur Reinigung und zum Sauerstoffgehalt gesichert werden. Stress für die Fische lasse sich durch Regelungen über die jedem Fisch im Durchschnitt zur Verfügung stehende Wassermenge (Besatzdichte von Fischen pro Liter Wasser) vermeiden, durch Auflagen zur Schaffung von Rückzugsräumen (Röhren oder Steine am Untergrund der Becken) sowie durch Regelung von Ruhezeiten für die Fische mittels Beschränkung der Zahl und Dauer der kosmetischen Behandlungen pro Tag. Dass die Bewegung menschlicher Füße die Fische in Angst versetze, sei nicht zu befürchten, denn es entspreche ihrem natürlichen Verhalten, von sich aus zu Menschen zu schwimmen und an ihnen zu knabbern. Da den Fischen mithin nicht etwa ein artfremdes, unnatürliches Verhalten antrainiert, sondern lediglich ihr natürliches Verhalten ausgenutzt werde, könne auch nicht davon die Rede sein, ihrer Mitgeschöpflichkeit werde in einer das ethische Verhältnis zwischen Mensch und Tier missachtenden Weise der Respekt versagt.

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