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Recht / Zivilrecht 
Freitag, 13.10.2017

Linkshändig geschriebenes Testament kann gültig sein

Das Oberlandesgericht Köln entschied, dass auch ein mit der linken Hand geschriebenes Testament gültig sein kann, wenn beim Testierenden Lähmungen am rechten Arm auftraten (Az. 2 Wx 149/17).

Im vorliegenden Fall hatte das Gericht über die Erbfolge eines an Krebs verstorbenen Mannes zu entscheiden. Kurz nach der Diagnose der Krankheit waren bei ihm Lähmungen am rechten Arm aufgetreten. Nach seinem Tod waren dem Nachlassgericht zwei als Testament überschriebene und mit dem Namen des Erblassers unterzeichnete Schriftstücke vorgelegt worden, von denen eines die Nachbarn und das andere die Geschwister des Verstorbenen als Erben bezeichnete. Beide Seiten beantragten die Erteilung eines Erbscheins.

Das Oberlandesgericht bestätigte die Entscheidung des Nachlassgerichts, wonach die Nachbarn den Erbschein erhalten. Es waren umfangreiche Beweise erhoben worden u. a. durch Vernehmung von Zeugen, die Einholung eines graphologischen Gutachtens und durch schriftliche Stellungnahmen der behandelnden Ärzte. Danach habe festgestanden, dass das die Nachbarn begünstigende Testament den gültigen letzten Willen des Erblassers beinhaltete. Wegen der Lähmung der rechten Hand sei dieses mit der linken Hand geschrieben worden. Zwar habe ein Schriftsachverständiger nicht mit Sicherheit bestätigen können, dass das Testament vom Erblasser stammte, weil es kein geeignetes Vergleichsmaterial von Schriftstücken mit der linken Hand des Erblassers gab. Entscheidend sei jedoch gewesen, dass ein Zeuge glaubhaft bestätigte, bei der Abfassung des mit der linken Hand geschriebenen Testaments dabei gewesen zu sein. Auch ein mit der linken Hand geschriebenes handschriftliches Testament sei gültig. Hingegen sei das Testament, nach dem die Geschwister als Erben eingesetzt werden sollten, nicht vom Erblasser. Es sei ohne Absender beim Nachlassgericht eingegangen und ausweislich seines Datums später erstellt worden. Es konnte zudem aufgrund des Schriftbildes nicht vom Erblasser stammen, weil dieser zu diesem späteren Zeitpunkt mit der linken Hand nur noch krakelig schrieb.

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